Södermalm

So knapp der Name, so schmucklos auf den ersten Blick auch der Stadtteil - doch "Söder", wie die Stockholmer „Södermalm“ kurzerhand nennen, besticht durch seinen ganz speziellen Charme.

Södermalm, Foto: Stockholm Visitors Board, Erik G Svensson
War der zentral gelegene Stadtteil von Stockholm noch bis zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts das einstige "Schmuddelviertel" der schwedischen Hauptstadt, nämlich ein reines Arbeiterviertel mit zahlreichen Fabriken, so hat sich "Söder" in den letzten Jahren zu dem wohl angesagtesten Ort für einheimische Trendsetter und zu dem alternativen Wohn- und Ausgehquartier für Künstler und Studenten gemausert.

Grund für diese faszinierende Entwicklung ist das unkonventionelle Flair, denn in den kahlen Beton- und Industriebauten und den schmucklosen Siedlungen haben dank niedrigerer Mietpreise viele Bohemiens und junge Designer ihr Zuhause gefunden, die sogar – und das ganz freiwillig – selbst im großen Gefängnis aus dem Jahre 1724 leben. Mitleid brauchen Sie aber in diesem Falle keines zu haben, denn selbstverständlich ist die Haftanstalt auf dem Inselchen Långholmen nicht mehr in  Betrieb, sondern wurde bereits im Jahre 1978 aufgegeben und seitdem ganz bürgerlich in bezahlbare Wohnungen sowie ein Hotel, eine Jugendherberge und eine Volkshochschule umgewandelt.

Kleine Galerien, Mode- und Designboutiquen, Cafés und Bars taten schließlich ihr Übriges, um aus dem eher armen Stadtteil eine Art nordisches „Berlin-Mitte“ zu machen. Doch der Vergleich stimmt nur bedingt: Im Gegensatz zum inzwischen ziemlich arrivierten Prenzlauer Berg erleben Sie in Södermalm noch immer ein weitgehend junges, raues Viertel, das erst allmählich Touristen anzieht. Hierzu hat nicht zuletzt der Bestsellerautor Stieg Larsson mit seiner erfolgreichen Krimireihe beigetragen, die in den engen Straßen Södermalms spielt.

Soedermalm, Foto: Stockholm Visitors Board, Jeppe Wikstroem

Vor allem zwei Viertel lassen das Herz der Einwohner wie der Besucher höher schlagen: Die Götgatan sowie „SoFo“ in der Nähe der U-Bahnstation Medborgarplatsen – beides Synonyme für unkonventionelles Shopping und trendiges Ausgehen. Hier tauchen Sie in eine abwechslungsreiche Szene ab, in der sich Neues, Kreatives und Unerwartetes neben hochklassigem Vintage behauptet. Die Hauptschlagader des gesamten Stadtteils ist dabei unbestritten die Götgatan, die in Nord-Süd-Richtung verläuft und die Sie vom Verkehrsknotenpunkt Slussen gut erreichen. Schauen Sie am besten am Wochenende einmal auf der steil ansteigenden Straße vorbei, denn dann ist hier fast rund um die Uhr etwas los. Schwingen Sie zum Beispiel am Medborgarplatsen bei fetzigen Klängen Ihre Hüften, während Ihnen die verschiedenen Rockbands unter freiem Himmel einheizen, oder lassen Sie es sich bei einem guten Stück Blaubeerkuchen und einer Tasse Kaffee in einem der vielen Straßencafés gut gehen, falls es Sie nicht an die Theken der großen und recht preisgünstigen Markthalle zieht.

Södermalm, Foto: Stockholm Visitors Board, Mikael SjoebergIhre Shoppinglust können Sie anschließend in „SoFo“ stillen. Der etwas merkwürdig klingende Name orientiert sich dabei nicht zufällig am Londoner Szeneviertel „Soho“ und heißt „Söder om Folkungagatan“ (übersetzt etwa: „Südlich der Folkungatan“). Hier finden Sie fast an jeder Ecke interessante Avantgarde und tollen Retro-Stil.

Stöbern Sie doch zum Beispiel im „Le Shop Stockholm“ nach origineller Mode oder hippen Accessoires. Ebenfalls lohnenswert ist das „Neu“, dessen Kleider oftmals an die 20er- und 30er-Jahre des letzten Jahrhunderts erinnern. Danach packt Sie bestimmt die Lust, den vielen Galerien oder den Schmuckläden einen Besuch abzustatten. Verlockt Sie jedoch eher Secondhand? In SoFo ebenfalls kein Problem: „Judits Second Hand“, „Herr Judit“ oder „Stadsmissionen“ und „Myrorna“ sind die bekanntesten.

Für eine wohlverdiente Pause bei Ihrem Einkaufsbummel empfehlen sich die Cafés um Nytorget oder die „Mellqvists Kafé Bar“ auf der Hornsgatan. Im "Urban Deli" können Sie sowohl einkaufen als auch lecker speisen. Anschließend heißt es dann vielleicht sogar noch: "Haare, ab!" Denn hier finden Sie eine überraschend große Zahl an trendigen Friseurläden. Unter der Haube können Sie vielleicht an eine der berühmtesten Einwohnerinnen des Landes, Greta Garbo, denken, die hier noch als Einseifmädchen bei einem der Haarmacher arbeitete, bevor sie in Hollywood berühmt und ihr hier ein baumbestandener Platz – der „Greta Garbos Torg“ – gewidmet wurde.

In Söder ist natürlich nicht nur am Tage, sondern auch am Abend etwas los. Das Nachtleben konzentriert sich dabei rund um Slussen, den Medborgarplatsen und selbstredend SoFo. Am Slussen liegt zum Beispiel das "Debaser", einer der bekanntesten Rockclubs Schwedens. Zu empfehlen sind zudem das "Mosebacke" oder Stieg Larssons Lieblingskneipe "Kvarnen", in der auch Konzerte und Stand-up-Comedy stattfinden. Egal, wofür Sie sich entscheiden werden, in Södermalm finden Sie bestimmt schnell Kontakt zu den Einheimischen. Und nirgendwo sonst spüren Sie den direkten und zugleich entspannten Charme der Stockholmer besser als hier!

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